PCB-Sanierung im Spöl vorerst abgeschlossen
Gemeinsame Medienmitteilung der Engadiner Kraftwerke und des Schweizerischen Nationalparks vom 3. November 2026
Ende Oktober konnten die Arbeiten zur Sanierung der PCB-Belastung im Spöl im Schweizerischen Nationalpark abgeschlossen werden. Auf einer Strecke von rund 3 km wurden die Sedimente entnommen und aufbereitet. Das PCB-belastete Feinmaterial wurde abtransportiert und thermisch entsorgt.
Im September 2016 wurden bei Sanierungsarbeiten an der Staumauer Punt dal Gall der Engadiner Kraftwerke (EKW) hochgiftige polychlorierte Biphenyle (PCB) freigesetzt. Untersuchungen zeigten, dass die Sedimente und zahlreiche Lebewesen im Spöl stark belastet waren. Nun konnte nach einer intensiven Bausaison der rund 3 km lange Abschnitt unterhalb der Staumauer saniert werden. Grundlage war ein gemeinsamer Sanierungsvorschlag von EKW, Schweizerischem Nationalpark (SNP) sowie Pro Natura, WWF und Aqua Viva, den der Kanton Graubünden 2024 genehmigt hat.
Erfolgreiche Sanierungsarbeiten
Die Sanierung war anspruchsvoll: Ein grosser Teil der Arbeiten fand in einer engen und nur einseitig zugänglichen Schlucht statt, zudem galten strenge Naturschutzauflagen. Erfahrungen aus der Testsanierung des Tosbeckens im Jahr 2017 sind miteingeflossen. Das Sanierungskonzept hat sich laut Giacum Krüger, Direktor der EKW, bewährt: «Es hat einen Moment gedauert, bis die komplexen Abläufe optimal abgestimmt werden konnten. Doch die beauftragte Firma hat diese Herausforderungen gemeistert. Dadurch konnten die Ziele der Sanierung unfallfrei und auf umweltschonende Weise erreicht werden.»
Die Sedimente wurden vom Bachbett entnommen und in eine überdachte Anlage am Fusse der Staumauer transportiert und dort aufbereitet. Auch das Tosbecken direkt unterhalb der Staumauer wurde ein zweites Mal gereinigt. Steine und Kies wurden gewaschen und für die Wiederherstellung der Baupiste im Bachbett verwendet. So gelangte das gereinigte Material wieder in den Fluss. Das belastete Feinmaterial wurde separiert und im Zementwerk in Untersiggenthal (AG) bei rund 1200°C thermisch behandelt. Ein am unteren Ende der Sanierungsstrecke aufgestautes Absetzbecken diente dazu, angeschwemmtes und allenfalls belastetes Feinmaterial zurückzuhalten. Dieses wurde anschliessend vollständig abgepumpt und ebenfalls aufbereitet.
Nach Abschluss der Entnahme- und Aufbereitungsarbeiten Ende September wurde die Baupiste auf der gesamten Strecke aufgelockert. So können die geplanten ökologischen Hochwasser möglichst rasch wieder naturnahe Bedingungen schaffen. Ende Oktober waren auch diese Wiederherstellungsarbeiten abgeschlossen.
Wie geht es nun weiter?
Der obere Spöl wird derzeit mit ökologischen Hochwassern unterschiedlicher Intensität gespült. Dadurch soll wieder ein naturnahes Flussbett entstehen und damit ein geeigneter Lebensraum für Kleinlebewesen geschaffen werden. Die Strömung soll zudem Kiesflächen formen, welche Bachforellen ab Mitte November als Laichplätze dienen. Vor Beginn der Arbeiten waren rund 20'000 Bachforellen abgefischt und in den unteren Bereich des Spöls umgesiedelt worden. Mit der Entfernung der Sperre am unteren Ende der Sanierungsstrecke können die Fische wieder selbstständig aus dem unteren Flussabschnitt aufsteigen und den sanierten Lebensraum besiedeln.
Die ökologischen Hochwasser werden auch im kommenden Jahr fortgesetzt und von Gewässerökologen begleitet, um die Entwicklung gezielt zu beobachten und wenn notwendig zu unterstützen. Nach fünf bis sieben Jahren wird ein Monitoring zeigen, wie sich der Zustand von Wasser, Sediment und Lebewesen im Spöl entwickelt hat.
Saniert wurden die oberen rund 3 km des insgesamt 5,6 km langen Oberen Spöls. Der untere Abschnitt wird mit ökologischen Hochwassern gespült und anschliessend auf PCB untersucht. Überschreitet die Belastung die festgelegten Grenzwerte, muss auch dieser Abschnitt saniert werden. Ein Entscheid fällt nach Auswertung der Proben im Laufe des Winters.
Erleichterung beim Schweizerischen Nationalpark
Nach langen Diskussionen und Planungen ist die Erleichterung bei den Verantwortlichen des Schweizerischen Nationalparks gross. Nationalparkdirektor Ruedi Haller zieht eine positive Bilanz: «Mit dem gewählten Verfahren ist es gelungen, mehr als die angestrebten 90 Prozent der PCB aus dem Fluss und damit aus dem ökologischen Kreislauf zu entnehmen. Diese Entnahme ist die Voraussetzung dafür, dass wir in Zukunft die Belastung von Wasser, Sediment und Lebewesen wieder auf ein unbedenkliches Niveau senken können. Wir sind sehr froh, dass es nach zehn Jahren gelungen ist, die Sanierung erfolgreich durchzuführen und damit die Voraussetzung für eine unbelastete natürliche Entwicklung zu schaffen.»