PCB-Sanierung im Spöl schreitet planmässig voran
Seit dem Frühjahr laufen die Arbeiten zur Sanierung der PCB-Belastung im Spöl-Bach im Schweizerischen Nationalpark. Die Arbeiten verlaufen bislang erfolgreich. Auf einer Strecke von rund 3 km wird das gesamte Sediment entnommen, sortiert und aufbereitet. Das PCB-belastete Feinmaterial wird abtransportiert und thermisch entsorgt.
Im September 2016 kam es bei Sanierungsarbeiten in der Staumauer Punt dal Gall der Engadiner Kraftwerke (EKW) zur Freisetzung von hochgiftigen Polychlorierten Biphenylen (PCB). Die anschliessenden Untersuchungen zeigten, dass die Sedimente und auch viele Lebewesen im Spöl stark mit PCB belastet sind. Nach 10 Jahren mit Reinigungen, Teilsanierungen, langwierigen Verhandlungen und einem runden Tisch ist es schliesslich gelungen, einen Weg für die Sanierung zu finden (siehe Box).
Anspruchsvolle Sanierungsarbeiten
Auf insgesamt rund 3 km Länge werden die Sedimente aus dem Spöl entnommen und über eine im Bachbett verlaufende temporäre Piste zur Aufbereitungsanlage am Fusse der Staumauer transportiert. Dort werden die Sedimente in der geschlossenen Anlage bearbeitet. Kies und Steine werden separiert, gewaschen und anschliessend wieder ins Bachbett eingebracht. Das mit PCB belastete Feinmaterial mit einer Korngrösse von kleiner 2 mm wird verladen und zum Zementwerk in Siggenthal transportiert. Dort erfolgt eine thermische Behandlung mit nachgelagerter Rauchsäuberung.
Durch die Lage in einer steilen Schlucht sind die Arbeiten anspruchsvoll und erfordern hohe Sicherheitsauflagen. Aus diesem Grund sind sowohl der Wanderweg von der Staumauer in Richtung Punt la Drossa als auch der Zugang zur Baustelle gesperrt.
Giacum Krüger, Direktor der EKW, erläutert: «Die Sanierung eines derart langen Bachabschnitts ist für die Schweiz ein absolutes Novum. Entsprechend herausfordernd war die Planung dieses sehr komplexen Vorhabens in einem anspruchsvollen und sensiblen Gebiet. Die bisherigen Arbeiten zeigen, dass die gewählte Vorgehensweise funktioniert und die Sanierung planmässig umgesetzt werden kann. Damit kommen wir dem Ziel eines sanierten Spöls einen wichtigen Schritt näher.»
Sanierung ist für den Nationalpark einzige Option
Nationalparkdirektor Ruedi Haller ist überzeugt, « … dass der jetzige Eingriff langfristig das kleinere Übel ist als eine chronische Belastung. Blieben die PCB im Spöl, würden immer wieder Tiere an den Folgen des Gifts leiden oder sogar sterben. Die entstandene Lücke würde durch nicht kontaminierte Tiere aufgefüllt und die Vergiftung begänne von Neuem. Aktuelle Untersuchungen an verschiedenen Organismen vor Beginn der Sanierungsarbeiten bestätigen, dass die Belastung durch PCB nach wie vor vorhanden ist. Nur durch eine konsequente Entnahme der PCB kann dieser Kreislauf durchbrochen werden.»
Nach erfolgreicher Sanierung des oberen Spöls werden künstliche Hochwasser für eine Renaturierung des Bachbetts sorgen. Ob der unterste Teil des Spöls bis zum Ausgleichsbecken Ova Spin auch noch saniert werden muss, entscheiden die zuständigen Behörden aufgrund von entsprechenden Probenahmen und den ermittelten Belastungen.
Der Wanderweg von der Staumauer Punt dal Gall bis zur Abzweigung zwischen Punt Periv und Charbunera wird bis mindestens Ende 2026 geschlossen sein. Die Rundwanderung von Vallun Chafuol über Praspöl–Periv–Charbunera–La Drossa ist davon nicht betroffen.